5 Mythen und ein Bonus: Was nachhaltiges Bauen wirklich bedeutet
„Nachhaltiges Bauen“ – diesen Begriff hören Sie inzwischen ständig, doch selten wird wirklich darüber gesprochen, was er im Detail bedeutet. Als Berater für nachhaltiges Bauen begegnen wir immer wieder den gleichen Fragen und Unsicherheiten.
Diese Mythen rund um nachhaltige Bauprojekte kursieren, weil das Thema in Deutschland noch relativ neu ist. Schauen Sie sich die verbreitetsten Missverständnisse genauer an und erfahren Sie, wie nachhaltiges Bauen heute wirklich funktioniert – pragmatisch, wertsteigernd und zukunftsorientiert.
1.Mythos: Nachhaltig = Teuer
Eines der häufigsten Missverständnisse ist, dass nachhaltiges Bauen höhere Kosten verursacht. In Wahrheit können nachhaltige Bauprojekte durch optimierte Logistik, Materialeinsparungen und effizientere Baugeschwindigkeit die Kosten senken. Investitionen in Energieeffizienz und Wassermanagement amortisieren sich in wenigen Jahren und senken langfristig die Betriebskosten.
Eine Studie des LEED zeigt außerdem, dass Bauherren ein Zertifikat als wertsteigernd erleben. Der Gebäudewert steigerte sich in der Studie um über 10 %. Das wird in wenigen Jahren auch für DGNB und BiRN gelten.
2. Mythos: Nachhaltige Materialien hat mein Händler nicht
Händler und Hersteller springen auf den rollenden QNG-Zug auf und weisen oft die QNG-Eignung (auch manchmal „QNG ready“ genannt) auf Ihren Baustoffen aus. Diese Informationen suchen Sie aus den Nachhaltigkeitsdatenblättern oder Herstellerinformationen heraus.
Alle Kriterien des nachhaltigen Bauens und Baustoffe finden Sie auf der Informationsseite der QNG. Wenn Sie das aber nicht alles selbst machen wollen bieten sich mehrere Wege an:
- Sie suchen die Baustoffe mithilfe dieser Seite heraus.
- Ihr Bauunternehmen macht sucht es mit einem passenden Händler (Empfehlung ebenfalls hier) aus.
- Sie haben eine Baustoffliste mit QNG-geeigneten Materialien und senden alle weiteren an uns zur Prüfung und Freigabe.
Warum sind nachhaltige Baustoffe eigentlich wichtig?
Wir verbringen 80–90 % unserer Zeit in Innenräumen. Neubauten sind heute luftdicht – anders als ältere Gebäude, die natürlich durchlüftet wurden. Schadstoffe aus Baumaterialien (oder aus dem letzten Amazon-Paket) bleiben in der Raumluft und zirkulieren durch die Lüftungsanlage immer wieder.
Sie und Ihre Kinder atmen diese Stoffe im luftdichten Neubau also intensiver ein, als in einem Altbau.
3. Mythos: Einfach PV-Anlage drauf = nachhaltig
Photovoltaik ist zwar ein wertvoller Bestandteil, aber nachhaltiges Bauen umfasst viel mehr: von energieeffizientem Entwurf über nachhaltige Rohstoffe bis hin zu sozialer Verantwortung.
Ein ganzheitlich nachhaltiger Ansatz betrifft alle Gewerke, die am Bau beteiligt sind. Deshalb ist das Thema Management in der Nachhaltigkeit so relevant. Wir setzen bewusst auf eine gute Betreuung und intensives Management, damit kein Planer und kein Bauunternehmen die QNG-Zertifizierung gefährdet.
4. Mythos: Nachhaltige Gebäude zu bauen dauert länger
Es gibt die Annahme, dass nachhaltige Bauweisen eine längere Bauzeit haben. Denn leider haben Zertifizierungsstellen langsame Bearbeitungs- und Antwortzeiten. Aber: Je früher Nachhaltigkeitsaspekte in das Projekt integriert werden, desto reibungsloser verläuft der Bauprozess. Nachhaltigkeitsexperten (Auditoren) helfen, Hürden zu erkennen und zu vermeiden. Dadurch entstehen in unseren Projekten keine Verzögerungen. Wichtig ist aber eine frühe Einbindung des Auditors, idealerweise schon vor der Genehmigungsplanung.
Sollten Sie über das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) nachdenken, können Sie einfach ein Beratungsgespräch buchen und erste Fragen und Sorgen frühzeitig klären. Wir beraten sowohl zur DGNB- als auch BiRN-Zertifizierung.
5. Mythos: Nachhaltigkeit ist nur ein vorübergehender Trend
Dieser Mythos ist der am wenigsten zutreffende von allen. Angesichts der Klimakrise führt kein Weg um das nachhaltige Bauen herum. Auch wenn wir uns alle nicht die Klimakrise gewünscht haben, müssen wir mit diesem Problem gemeinsam umgehen. Das Thema hat bereits jetzt weltweite Bedeutung und wird in vielen Ländern konsequent verfolgt.
Diese Bauweise und die Zertifizierungen werden sich auf dem Markt zum neuen Standard etablieren, wie es in englischsprachigen Ländern zu beobachten ist.
Bonus: Nachhaltiges Bauen lohnt sich nicht wegen der schwachen Förderung
Die Zinsen der KfW-Förderprogramme ändern sich ständig. In einem Monat sind sie fast so hoch wie ein normaler Bankkredit, dann fallen sie wieder um 4 Prozentpunkte. Private Bauherren und Anleger brauchen daher etwas Geduld und eine gute Beratung, um den passenden Tarif zu finden.
Doch ein finanzieller Vorteil ist kaum bekannt und wird von gewitzten Steuerberatern empfohlen: Die Steuerabschreibung von vermieteten Immobilien.
Grundlage des Gesetzes: EStG §7 (Gesetze im Internet)
Für wen lohnt sich das? Wohnungsvermieter von Neubau
Was bringt es? Einsparung der Einkommenssteuer wird nach vorne verlagert, sodass in den ersten 4 Jahren beinahe doppelt so hohe Augaben angesetzt werden können
Voraussetzungen? verschiedene, unter anderem das Effizienzhaus 40 NH (das bedeutet mit QNG-Zertifikat)
Fazit
Nachhaltiges Bauen kostet nicht mehr, dauert nicht länger und ist kein vorübergehender Trend. Es ist komplex und wer es halbherzig angeht, riskiert Verzögerungen, falsche Materialien und verpasste Förderung.
Das wissen die wenigsten: Das QNG-Siegel ist die Eintrittskarte zur Sonder-AfA – ein handfester Steuervorteil, den gute Steuerberater längst empfehlen.
Wer früh einen Auditor einbindet, spart Nacharbeit, Stress und Geld. Wer wartet, zahlt doppelt.
Wenn Sie selbst prüfen wollen, ob Ihr Bauvorhaben für QNG gerüstet ist, schauen Sie sich diesen Leitfaden an: QNG-Checkliste für Projektleiter.
Darin beschreibe ich die beiden größten Stellschrauben in frühen Phasen: Ökobilanz und Barrierefreiheit nach QNG. Wenn das Projekt hier schief läuft, bekommen Sie QNG leider nur schwer hin.