7 Tipps für die Auswahl des richtigen Zertifikates
Stand: 07.05.2026
Ein bisschen peinlich war mir das schon.
Neulich erklärte ich einem Geschäftsführer, welches Zertifikat für seinen Wohnungsbau das richtige sei. Ich erklärte die Unterschiede zwischen DGNB, BiRN und NahWo, wie jedes davon zum QNG führt — und beobachtete dabei, wie er auf seinem Notizblock herumkritzelte, immer wieder von vorne begann. Mit jeder Erklärung wurde die Verwirrung größer.
Deshalb fasse ich hier zusammen, welches Zertifikat im Wohnungsbau es gibt und wie Sie mit sieben konkreten Tipps das richtige für Ihr Projekt auswählen. Die Entscheidung lohnt sich früh zu treffen: Sie beeinflusst Planung, Bau und Fertigstellung.
Das ist auf den ersten Blick verwirrend. Aber die vorgestellten Siegel sind die QNG-Zertifikate.
Alle drei Siegel, die in diesem Artikel vorkommen sind QNG-Siegel. Das heißt sie müssen sich eines davon wählen, um ein QNG-zertifiziertes Gebäude zu bekommen. (Und damit die Förderung für klimafreundlichen Neubau.)
3 Siegel und wie das zum QNG führt
Es gibt 3 Siegel, die das QNG im Wohnungsbau möglich machen. Dies sind: DGNB, BiRN und Nahwo.
- DGNB = Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (mindestens Stufe: Silber)
- BiRN = Bau-Instituts für Ressourceneffizientes und Nachhaltiges Bauen (mindestens Note 2)
- NahWo = Nachhaltiger Wohnungsbau (mindestens 50% Erfüllung)
Bei jedem der drei Siegel werden die Anforderungen der QNG als zusätzliche Kriterien hinzugefügt.
Doch welches dieser drei Siegel passt am besten zu dem Projekt und Ihrem Unternehmen?
Im folgenden teile ich meine Erfahrung mit Ihnen, wie Sie das passende Siegel für sich auswählen.
Tipp 1: Anwendbarkeit für das Bauvorhaben
Bei der Auswahl der Zertifizierung gibt es diese Kriterien:
- Neubau/ Sanierung
- Nutzung: Wohngebäude / Nichtwohngebäude
- Gebäudegröße: Anzahl der Wohneinheiten
Die Zertifikate unterscheiden sich nach diesen Kriterien. Für die Zertifizierung von neugebauten Wohngebäuden und mehr als 5 Wohneinheiten sind diese Siegel geeignet:
- DGNB Wohngebäude (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen)
- BNG (Bewertungssystem Nachhaltige Gebäude)
- NahWoh (Nachhaltiger Wohnungsbau)
Eine Sanierung können Sie aktuell jedoch nur mit dem DGNB-System zertifizieren. Und eine Nachweiszertifizierung ist so aufwendig, dass sie eher für große Wohngebäude sinnvoll ist. Auf DGNB sollten Sie setzen, wenn Außenwirkung und Prestige wichtig sind.
Tipp 2: Von Anderen lernen
Am besten lernt man von denen, die den Weg vor Ihnen gegangen sind:
- Suchen Sie nach Projekten, die bereits zertifiziert sind.
- Fragen Sie in Ihrem beruflichen Netzwerk nach Empfehlungen.
- Achten Sie bei Auditoren auf die Referenzen und die nötige Erfahrung.
Fragen Sie nach Stolperfallen und dem Aufwand, den der Bauherr mit der Zertifizierung bzw. dem Auditor hatte. Hier gibt es große Unterschiede in der Arbeitsweise.
Tipp 3: Kosten und Arbeitsaufwand
Nicht jedes Siegel ist gleich aufwändig. Der Unterschied im Aufwand liegt daran, wie viele Kriterien angelegt werden. Denn der Dokumentationsaufwand für ein Bewertungskriterium ist hoch. Eine ausführliche Beschreibung zum System des BiRN finden Sie in diesem Artikel.
Der Aufwand bringt steigende Kosten mit sich.
Jedes zusätzliche Kriterium ist umfangreich und muss penibel aufgearbeitet sein, damit das Bauvorhaben positiv bewertet wird. Diese Arbeit muss sich der Auditor bezahlen lassen!
Vergessen Sie nicht Ihren eigenen Aufwand. Sie müssen Dokumente bei den Bauunternehmen einfordern. Auch diese Projektleiter-Stunden sind Kosten, die sich auf Ihr Projekt schleichen.
Tipp 4: Werbewirksamkeit
Die Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeit ist in der gesamten Bevölkerung gestiegen. Neben dem täglichen Einkauf, achten immer mehr Käufer auf eine zukunftsfähige Wohnung.
Ein Siegel bringt deshalb Vorteile.
Besonders wertvoll wird in der Fachbranche das Siegel der DGNB wahrgenommen. Jedoch sind Ihre Kunden keine Fachleute und werden weder das Siegel DGNB noch ein anderes kennen. – QNG als Begriff setzt sich dagegen immer mehr durch.
Bevor Sie Vermutungen anstellen: Fragen Sie nach, auf welche nachhaltigen Schwerpunkte die Eigentümer besonderen Wert legen. Genau diese Argumente können Sie in der Zertifizierung besonders nutzen.
Tipp 5: Eigene Ambition zu Nachhaltigkeit
Sind Ihnen bestimmte Punkte der Nachhaltigkeit: Sozial, Ökologisch oder Ökonomisch wichtig, nehmen Sie am besten das Siegel, dass hier den größten Fokus hat. So spielen Ihre Stärken mit dem Zertifikat zusammen.
DGNB ist besonders bekannt für einen umfassenden Nachhaltigkeitsanspruch. Hier gilt nicht nur das Gebäude, sondern es wird auch das zugehörige Grundstück betrachtet. Wertvolle Maßnahmen wie Biodiversitätsfördernde Flächen werden bewertet genaus wie die Erreichbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln.
Im System der BiRN wird nur das Gebäude zertifiziert. Alle Anlagen auf dem Grundstück sind nicht relevant für die Bewertung.
Tipp 6: Energieberater, alles aus einer Hand oder spezialisierter Auditor?
In der Zertifizierung werden viele Dokumente und Nachweise abgefragt. Es müssen Erklärungen und Formblätter ausgearbeitet werden. Dann ist es gut, wenn jemand diese Vorlagen schon bertei liegen hat. Erfinden Sie nicht alles neu, indem Sie selber alle Unterlagen schreiben.
Deshalb empfehle ich Büros, die sich auf Beratung zu QNG spezialisiert haben. Hier ist vieles vorbereitet und Sie profitieren vom Spezialwissen des Auditors.
Tipp 7: Entfernung des Auditors
Wenn das Bauvorhaben an einem anderen Ort ist als der Bauherr; Wo sollte ich dann den Auditor suchen?
Meine Empfehlung dazu ist: Nahe am Bauvorhaben.
Der persönliche Kontakt ist wichtig. Dennoch lassen sich alle Gespräche online durchführen.
Aber die Bewertung für des Bauprozesses muss vor Ort stattfinden. Der Auditor muss mehrmals auf die Baustelle, Fotos machen und die Durchführung dokumentieren.
Nehmen Sie deshalb einen Auditor in der Nähe Ihres Bauvorhabens.
Fazit
Die Wahl des richtigen Siegels ist keine Nebensache. Sie beeinflusst Aufwand, Kosten und Förderfähigkeit Ihres Projekts von Anfang an.
Die gute Nachricht: Mit den sieben Fragen aus diesem Artikel können Sie die Entscheidung strukturiert angehen. Anwendbarkeit und Projektgröße zuerst, dann Aufwand und Kosten, schließlich der richtige Auditor vor Ort.
Wer diese Weichen früh stellt, spart sich teure Korrekturen im Prozess.
Wenn Sie unsicher sind, welches Siegel zu Ihrem Vorhaben passt, sprechen Sie mich an. In einem kurzen Gespräch beantworte ich Ihnen die wichtigsten Fragen direkt.