Für Bauherren, die Projekte mit Weitblick entwickeln - Übersicht zur QNG-Barrierefreiheit

Stand: 29.05.2026

Viele Auftraggeber hören „Barrierefreiheit“ und denken sofort an riesige Bäder, Halterungen in den Wänden und Wegeleitsysteme. Das ist nicht der Fall bei QNG (Qualitätssiegel Nachhaltiges Bauen). 

Die klassische Barrierefreiheitsnorm (DIN 18040-2) und deren Anforderungen sind nicht das Ziel bei QNG. Denn bei der DIN geht es um rollstuhlgerechtes Bauen. Doch bei der Zertifizierung ist nicht der Ansatz, dass alle Wohnungen rollstuhlgerecht werden!

Stattdessen geht es darum, ein Gebäude so planen, dass Menschen mit  Bewegungseinschränkungen, zum Beispiel Rollstuhlfahrer, jede Wohnung ohne größere Hindernisse erreichen und besuchsweise nutzen können.

Was genau das bedeutet und wie die  Zertifizierung das prüft, erfahren Sie in diesem Artikel. 

Warum Barrierefreiheit im QNG ein Stolperstein ist

Barrierefreiheit nach QNG ist eine der häufigsten Überraschungen in der Planungsphase. Nicht wegen der Anforderungen selbst, die sind erfüllbar. Das Problem ist der Zeitpunkt: Wer die Kriterien erst nach der Genehmigungsplanung prüft, riskiert kostspielige Nachbesserungen an Türbreiten, Flurmaßen und Bewegungsflächen im Bad. Wer sie früh mitdenkt, hat kaum Mehraufwand.

Ich steige deshalb am liebsten in der Entwurfsphase ein. So lassen sich Konflikte beheben, bevor sie im Grundriss festgezeichnet sind.

Die 8 Kriterien von „ready besuchsgeeignet" im Überblick

Die Anforderung gilt für:

  • Neubauten mit mehr als 5 Wohneinheiten
  • Zertifizierungsstufe QNG-PLUS (Voraussetzung für KfW-Förderung und Sonder-AfA) oder QNG-PREMIUM

Bei QNG-PLUS müssen mindestens 80 % der Wohneinheiten und Gemeinschaftsflächen die Kriterien erfüllen. Bei QNG-PREMIUM gilt das für alle Einheiten.

Wann gilt die Barrierefreiheitsanforderung beim QNG?

Das QNG benennt genau 8 Kriterien. Davon müssen 7 erfüllt sein. Nur ein Kriterium darf im gesamten Gebäude offen bleiben.

Diese Kriterien gebe ich als konkrete Maßvorgaben an den Architekten weiter und prüfe die Grundrisse darauf, bevor sie nicht mehr zu ändern sind.

1. Aufzug

Das QNG benennt genau 8 Kriterien. Davon müssen 7 erfüllt sein. Nur ein Kriterium darf im gesamten Gebäude offen bleiben.

Diese Kriterien gebe ich als konkrete Maßvorgaben an den Architekten weiter und prüfe die Grundrisse darauf, bevor sie nicht mehr zu ändern sind.

2. Stufen- und schwellenlose Erschließung

Der Weg von der Straße bis zur Wohnungseingangstür muss komplett stufen- und schwellenlos sein.

 

3. Breite von Wegen und Fluren

Alle Wege und Flure, innerhalb und außerhalb der Wohnungen, müssen eine nutzbare Breite von mindestens 1,20 m haben.

Nutzbare Flurbreite mindestens 1,20 m – QNG Barrierefreiheit Wohngebäude
Alle Wege und Flure müssen mindestens 1,20 m nutzbare Breite haben.

4. Lichte Durchgangsbreite von Eingangstüren

Haus-, Wohnungseingangs- und Aufzugstüren brauchen eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 90 cm. Die lichte Breite ist das sichtbare Maß im eingebauten Zustand: der freie Abstand zwischen den Türrahmen.

Schnitt Eingangstür mit Bemaßung: lichte Durchgangsbreite mindestens 90 cm – QNG Barrierefreiheit Wohngebäude
Haus- und Wohnungseingangstüren: lichte Durchgangsbreite mindestens 90 cm.

5. Nutzbare Durchgangsbreite innerer Türen

Türen, Fenstertüren und offene Durchgänge innerhalb der Wohnung müssen eine nutzbare Breite von mindestens 80 cm haben. Das ist nicht dasselbe wie das Rohbaumaß. Türbauart, Beschläge oder ein Öffnungswinkel unter 90° können die tatsächlich passierbare Breite deutlich reduzieren.

Bei einem Standard-Rohbaumaß von 88,5 cm, minus 7 cm für den Rahmen, bleiben nur noch 1,5 cm für hineinragendes Türblatt und Klinke. Das geht nur mit Sonderlösungen. Im Zweifel zählt die nutzbare Breite, nicht das Rohbaumaß.

Innentür mit Bemaßung: nutzbare Durchgangsbreite mindestens 80 cm nach QNG Barrierefreiheit
Innentüren: Die nutzbare Durchgangsbreite muss mindestens 80 cm betragen – gemessen nach Einbau, nicht am Rohbaumaß.

6. Wendeflächen vor Wohnungseingangstüren

Vor jeder Wohnungseingangstür ist eine Wendefläche von mindestens 1,20 m × 1,20 m erforderlich.

 

Wohnungseingangstür mit Wendefläche 1,20m x 1,20m vor der Tür – QNG ready besuchsgeeignet
Wendefläche vor der Wohnungseingangstür: mindestens 1,20 m × 1,20 m für Rollstuhlfahrer.

7. Bewegungsflächen innerhalb der Wohnung

Im Koch- und Wohnbereich sowie im Bad muss je eine Bewegungsfläche von mindestens 0,90 m × 1,20 m eingeplant sein. Die kurze Seite liegt dabei immer am jeweiligen Einrichtungsgegenstand, vor Waschbecken, Dusche und WC. Bei kleinen Wohnungsgrundrissen ist das erfahrungsgemäß der kritischste Punkt — hier schaue ich besonders genau hin.

Bewegungsfläche im Bad mit 0,90m x 1,20m vor WC und Waschbecken – QNG Barrierefreiheit
Bewegungsflächen im Bad: Je 0,90 m × 1,20 m vor Waschbecken und WC sind Pflicht nach QNG.

8. Treppensteigung im Haupttreppenhaus

Die maximale Stufenhöhe im Haupttreppenhaus beträgt 18 cm, die Mindestauftrittstiefe 27 cm

Treppensteigung: maximale Stufenhöhe 18 cm, Mindestauftritt 27 cm – QNG Anforderung Treppensteigung
Treppensteigung im Haupttreppenhaus: maximal 18 cm hoch, mindestens 27 cm tief.

Was viele nicht wissen: die 7-von-8-Regel

Ein Kriterium darf im gesamten Gebäude unerfüllt bleiben. Das schafft Spielraum, zum Beispiel wenn ein Grundrisskonzept ein bestimmtes Kriterium baulich schwer lösbar macht.

Welches Kriterium das sein soll, besprechen wir früh im Prozess und entscheiden es bewusst. Nicht zufällig am Ende.

Nachweisführung: Was eingereicht werden muss

Barrierefreiheit wird beim QNG nicht durch eine Erklärung nachgewiesen. Eingereicht werden Ausführungspläne (Grundrisse, Schnitte, Ansichten, Detailzeichnungen) sowie eine Fotodokumentation nach Fertigstellung.

Die Prüfung und Nachweisdokumentation übernehmen wir für Sie im Rahmen der QNG-Begleitung. So ist alles fachlich aufgearbeitet und geht vorgeprüft in die Zertifizierung.

Ready-besuchsgeeignet?

Für alle, die mit früheren Versionen gearbeitet haben: Die Anforderungen des Standards „ready besuchsgeeignet“ sind vollständig in der QNG-Handreichung zur Barrierefreiheit (Anhang 3.1.4) abgebildet. Ein separater Rückgriff auf die frühere Publikation „ready kompakt“ des BBSR ist nicht mehr erforderlich.

Was das QNG nicht verlangt

Das QNG fordert keine vollständige Barrierefreiheit. Es gelten die 8 Kriterien aus Anlage 3 des QNG-Handbuchs (Anhang 3.1.4, Version 1.0). Nicht mehr.

Das hält den Planungsaufwand überschaubar — vorausgesetzt, die Kriterien fließen früh in den Entwurf ein.

So arbeiten wir zusammen

Wir liefern die 8 Kriterien als konkrete Maßvorgaben an den Architekten, prüfen die Grundrisse in der Entwurfsphase auf Konflikte und erstellen am Ende die vollständige Nachweisdokumentation für die Zertifizierung. Erfahrungsgemäß sind Bewegungsflächen im Bad und Türbreiten in kleinen Wohnungen die Stellen, an denen die meisten Grundrisse scheitern. Genau dort schauen wir früh hin.

Fazit: Barrierefreiheit nach QNG ist planbar

Die Anforderungen sind klar, die Kriterien sind erfüllbar. Wer sie von Anfang an mitdenkt, vermeidet Überraschungen und hat den Weg zur KfW-Förderung frei.

Sie planen ein Wohngebäude mit QNG-PLUS? Ich begleite Sie von der Entwurfsphase bis zur fertigen Zertifizierung.

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Dieser Artikel ist Teil unserer QNG-Checkliste. Die Zusammenfassung für Projekte in frühen Leistungephasen. Speziell für Projektentwickler, die wissen wollen, ob ihre Wohnungen zertifiziert werden könnten.