5 Stolperfallen bei der DGNB-Zertifizierung, die Bauvorhaben scheitern lassen
Stand: 28.04.2026
DGNB-Zertifizierung erfolgreich abschließen – ohne kostenintensive Nachbesserungen.
Hier habe ich für Sie einige Fehler zusammengestellt, die in Bauvorhaben oft auftreten. Diese sind durch Erfahrungen und Rücksprachen mit anderen Auditor:innen zustande gekommen.
Durch die DGNB-Zertifizierung ändern sich die Abläufe in der Zusammenarbeit, da eine ganzheitliche Betrachtung eine enge Kooperation von Architektur, Bauphysik, Haustechnik und Projektmanagement erfordert – eine Herausforderung, die jedoch den Mehrwert des Gebäudes steigert. Auch die umfangreiche Nachweisführung ist eine Umstellung, da jedes Kriterium detailliert dokumentiert werden muss, was bislang oft nicht einheitlich geschieht.
Die Top 5 Stolperfallen bei der Zertifizierung
Fehler 1: Sie holen die Auditor:in zu spät ins Projekt.
Die Auditor:in spielt eine entscheidende Rolle bei der Erfüllung der DGNB-Anforderungen. Wird sie erst in einer späten Projektphase eingebunden z.B. nach der Genehmigung, fehlt oft der Spielraum, um noch Anpassungen vorzunehmen. Dann werden die Änderungen kostenintensiv oder bestehende Verträge müssen noch nachträglich verändert werden.
In den ersten Leistungsphasen müssen Sie wesentliche Punkte holen, um die Zertifizierung zu erreichen. Das ist zum Beispiel für die Art der Architekturentscheidung, Einbindung der Öffentlichkeit und die Nachverfolgung von Nachhaltigkeit in den ersten Projektentscheidungen.
Diese Änderungen kosten nicht unbedingt mehr Geld, sondern Sie müssen wissen, was zu tun ist.
Empfehlung: Binden Sie die Auditor:in frühzeitig ins Projekt ein und lassen Sie sich umfassend beraten. So integrieren Sie Zertifizierungsanforderungen von Anfang an und sparen Zeit und Geld. Weil viele Anforderungen auch auf die Planungsphase abzielen, können Sie dadurch wertvolle Punkte gutschreiben.
Fehler 2: Sie machen keine Variantenuntersuchung.
Die Ökobilanz wird häufig erst erstellt, wenn das Gebäude bereits geplant und genehmigt ist. Es ist aber gerade die Abstimmung von äußerer Hülle und energetischem Konzept, dass die großen Unterschiede macht.
An diesen Stellen können Sie CO2 sparen:
- Wahl der Materialien in der Außenhülle
- Dämmwerte der Hülle
- Verteilung der Flächen (beheizt/unbeheizt)
- Angleichen von Deckenebenen durch „Betonblöcke“ = bessere Planung und bessere Statik deckt das auf
Empfehlung: Erstellen Sie schon in der Entwurfsphase eine Variantenuntersuchung mit Energiekonzept und Ökobilanz, um die effektivste und nachhaltigste Lösung zu identifizieren.
Fehler 3: Schadstoffbewertung vernachlässigen
Die DGNB hat ein komplexes System zur Bewertung der Schadstoffe in Baustoffe. Es gibt 4 Qualitätsstufen und sie müssen alle Baustoffe in einer Stufe wählen, damit sie die Punkte für die jeweilige Stufe bekommen.
Ansonsten verlieren Sie wertvolle Punkte.
Außerdem ist die Schadstoffbewertung ist ein kritischer Punkt für die Innenraumluftqualität. Die Innenraumluftmessung zeigt, ob Sie sich an die Anforderungen gehalten haben. Und mit der Stufe 2 (von 4 als beste) werden Sie dies voraussichtlich nicht schaffen.
Sie brauchen unbedingt einen genauen Freigabeprozess VOR der Vergabe der Bauaufträge.
Empfehlung: Verlangen Sie eine ordentliche Dokumentation vor und während der Bauphase. Nur mit einem guten Freigabeprozess können Sie die Punkte für die Innenraumluftqualität bekommen.
Fehler 4: Sie dokumentieren schlecht auf der Baustelle.
Die Baustelle läuft und alles ist gut. Wen kümmern da die Lieferscheine?
Hier läuft die Zertifizierung oft schief.
Wenn der Auditor am Ende der Durchführung nicht die passenden Lieferscheine (mit korrekten Informationen) bekommt, dann können die Nachweise nicht angerechnet werden. Eine schriftliche Aussage reicht nicht. Die Lieferscheine müssen klar belegen, dass die Baustoffe so wie besprochen eingebaut sind.
Das fällt einigen Bauunternehmen leider sehr schwer. Doch eine Zertifizierung steht und fällt mit den Unterlagen.
Wenn Sie nicht belegen können, dass Sie nachhaltiges Holz (FSC-Siegel) eingebaut haben, wird es so behandelt, als ob es keines wäre.
Der DGNB-Prüfer kommt nicht auf die Baustelle und schaut sich alles an. Sie müssen alle Unterlagen für einen Dritten nachweisbar vorliegen haben.
Das geht natürlich nur, wenn Sie genau wissen, was die wichtigen Unterlagen sind. Dann können Sie sich auf die wichtigen Unterlagen fokussieren. Sonst geraten Sie in die Falle und „überdokumentieren“. Aus Angst, etwas zu vergessen, schreiben sie alles auf. Das nimmt Ihnen die Marge und – einfach gesagt – auch den Spaß an der Arbeit.
Empfehlung: Gehen Sie in mehreren Runden zu allen Baubeteiligten und klären Sie mit der Auditor:in zusammen auf. Erklären Sie alles mehrmals und legen Sie mit dem Auditor Systeme an, die Sie bei der Arbeit unterstützen.
Wir arbeiten mit einem Sharepoint-System auf das alle Beteiligten Zugang bekommen. Und wir nehmen uns die Zeit für die Fragen der Bauunternehmen. Denn das spart vor Baubeginn am meisten Stress.
Fehler 5: Planer unterschätzen das zirkuläre Bauen.
Die DGNB setzt zunehmend auf zirkuläres Bauen, wie z. B. eine Rückbauanleitung und den Einsatz von recyclingfähigen Materialien. Das muss in der Architekturplanung mitbedacht werden und als Leistung vereinbart werden. Die Recyclingfähigkeit sollte nicht im Nachhinein in ein bestehendes Konzept gebastelt werden.
Ein Demontagekonzept wurde von vielen Architekten noch nie erstellt. Es gibt keine Vorgaben. Und so kann es schnell passieren, dass man es ignoriert, bis der Auditor danach fragt. Dann wird es schnell in das bestehende Konzept gebastelt und die Entscheidungen rückwirkend auf zirkulär getrimmt.
Bitte nicht. Ihre Architekt:in macht sich ausführliche Gedanken in dem Entwurf. Genau in diesem Moment sollte er sich überlegen, wie man später umbauen und zurückbauen kann. Also in der frühen Planungsphase. Wenn das Gebäude nur grobe Striche auf dem Papier sind. Dann kann man noch Ideen umsetzen wie:
- Umbau für spätere Nutzungen
- Trennbare Verbindungen
- Bauabschnitte, die auch alleinstehend funktionieren
Empfehlung: Beauftragen Sie eine Analyse der Recyclingfähigkeit und Rückbaukonzept. Wenn Sie Nachhaltigkeitsleistungen in der Planung brauchen, vereinbaren Sie das im ersten Auftrag. Damit wird es leichter für den Architekten und auch günstiger, da die Arbeit nicht als Nachtrag anfällt.
Mindestanforderungen für DGNB und QNG-Zertifizierung
Viele Punkte holen Sie sich bei DGNB ganz früh am Anfang der Planung. Hier werden sie Konzepte erdacht und abgelegt, die Ihnen die Zertifizierung leichter machen. Immer im Blick haben, sollten Sie die Mindestkriterien. Diese sind nämlich ein MUSS und können Ihre Zertifizierung gefährden. Für DGNB Silber (also die niedrigste Stufe) sind es diese:
- Klimaschutz und Energie (ENV1.1): Offenlegung der Lebenszyklusbilanzen
- Ressourcengewinnung (ENV1.3): Mindestens 50 % nachhaltiges Holz
- Klimaresilienz (ECO2.6): Grundresilienz gegenüber Klimarisiken
- Innenraumluftqualität (SOC1.2): Einhaltung der Messanforderungen
- Barrierefreiheit (SOC2.1): Qualitätsstufe QS1
- Zirkuläres Bauen (TEC1.6): Rückbauanleitung oder Mindestpunktzahl
- Geordnete Inbetriebnahme (PRO2.3): Energetisches Monitoring-Konzept
- Mikrostandort (SITE1.1): Klimarisikoanalyse
- Mindestpunktzahl: Ein Gebäude muss in den drei Haupt-Bereichen den Mindesterfüllungsgrad der jeweiligen Stufe (z.B. Silber 35 %) erreichen.
- Zusätzliche Anforderungen durch QNG: Barrierefreiheit nach Maßgaben des Konzeptes BBSR „ready“, Innenraumluftqualität bzw. Schadstofffreiheit nach einer Baustoff-Tabelle (QNG-Anhang 313)
Das erscheint Ihnen zu aufwändig? Dann gibt es diese Alternative.
Wenn Sie jetzt eingeschüchtert sind von den vielen Fehlern und Anforderungen, dann kann ich Sie beruhigen. Mit einem guten Auditor, gehen Sie den Weg Schritt für Schritt und vergessen keinen Nachweis.
Wenn Sie einen Wohnungsbau planen, sollten Sie sich aber unbedingt die Kriterien des BiRN ansehen. Dieses Siegel ist ebenfalls für QNG geeignet, bietet aber überschaubare Anforderungen, die weniger komplex sind.